Künstlerische Vielfalt schafft Freiräume


Britta L.QL vermittelt gesellschaftliche Themen über die Sprache der Kunst: Souverän setzt sie Grafik, Illustration, Malerei, Skulptur, Film und mehr in ihren künstlerischen Projekten ein.


L.QL – was bedeutet denn das? Es spricht sich „Ell-ku-ell“ aus und dient der gebürtigen Dinslakenerin seit über 20 Jahren als Künstlerinnenname, auch im Alltag. Mit dem ähnlich klingenden „K.QL“ haben die drei Konsonanten und der Punkt nichts zu tun: In Lohberg engagiert sich die Grafikerin, Künstlerin und Projektmanagerin seit Mitte der 2000-er Jahre.


Britta L.QLs künstlerisches Werk ist sehr vielseitig, was bereits in ihrem Studium angelegt war: Visuelle Kommunikation an den Fachhochschulen Münster und Düsseldorf. „Ich hatte einen grafischen Schwerpunkt und habe parallel schon als bildendende Künstlerin gearbeitet. Dass ich mich damals nicht auf eine Kunstform festgelegt habe, ist im digitalen Zeitalter sehr vorteilhaft, denn als freischaffende Grafikerin und Künstlerin muss ich verschiedenste Anforderungen erfüllen“, erzählt Britta L.QL. Sie konzipiert Ausstellungen, entwirft Logos, illustriert Kunstkataloge, dreht Filme, initiiert und leitet künstlerische Projekte. Ihre berufliche Selbständigkeit seit nunmehr 25 Jahren bedeutet für sie neben der Existenzsicherung die Möglichkeit, frei entscheiden zu können, wie sie ihre Energie und Zeit investiert. „Meine Lebensgrundlage sind die grafischen Arbeiten, diese finanzieren viele meiner Kunstprojekte.“


Madonnen aus dem Stadtteil erzählen Geschichte(n)


Die ideenreiche Künstlerin lebt teils in Köln, teils in Dinslaken. Nach den aktuellen Projekten richtet sich, wo sie sich gerade aufhält. Zurzeit, im Oktober 2015, liegt der Schwerpunkt auf Lohberg, denn die Kreativschaffenden im K.QL bereiten ihr umfangreiches Projekt „Transformationen“ mit über 60 Einzelaktionen vor. Britta L.QL. beteiligt sich vor allem mit ihrem Langzeitprojekt „Madonnen über Tage“ an der Aktionswoche. Erstmals zeigte sie ihre geisterhaften Skulpturen aus den „Pottmaterialien“ Stahl und Stoff 2009 bei der Extraschicht Lohberg. „Madonna“ meint dabei keine biblische Figur, sondern leitet sich von der italienischen Ansprache für „meine Frau (ma Donna)“ ab, ähnlich respektvoll wie „gnädige Frau“. Die Künstlerin interpretiert das arbeitsreiche Leben dieser Frauen auf ihre Weise und verschafft ihnen einen angemessenen Platz in der Geschichte.


Historisch inspirierte Kleidung für die „Transformationen“


Auch bei den „Transformationen“ sind die Madonnen zu sehen, unter anderem auf dem Dach des ehemaligen Gesundheitshauses. „Ich entwerfe eine Kollektion, die sich an den historischen Monturen von Arbeiterinnen orientiert. Sie haben ihre funktionelle Kleidung zum Beispiel mit Kragen, Knöpfen und Gürteln verziert. So ein ‚Kostüm‘ trage ich auch während der Transformationen-Woche. Und ich bin mit einer Schneiderin in Lohberg in Kontakt, die diese Kollektion näht.“ Außerdem tüftelt Britta L.QL mit der Filzkünstlerin und Stadtplanerin Anja Sommer daran, die Geschichte von Frauen in Stadtteilen wie Lohberg für eine Website zu recherchieren.


Zum Kreativ.Quartier Lohberg kam die Künstlerin, die seit langem in Köln ein Atelier und das Kunstschaufenster WOTSCH-DA-WINDO betreibt, durch das Städtebau-Förderungsprogramm „Soziale Stadt NRW“, das sich mit dem Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft befasst. „Als politisch interessierte Künstlerin wollte ich mich daran beteiligen und habe im Jahr 2005 das Forum Lohberg angesprochen. Mit dem Forum Lohberg arbeitet sie bis heute zusammen. Damals, 2005, erstellte L.QL in Zusammenarbeit mit dem Forum eine Ausstellung mit topografisch angeordneten Detailfotos aus dem Stadtteil: ‚Auge auf Lohberg“: Bei dieser Stadtraumerfoschung entdeckte sie unter anderem den alten Kiosk an der Zechenmauer. Über das Forum Lohberg entstanden Kontakte zu den bereits im K.QL aktiven Künstlerinnen der ersten Stunde, mit denen Britta L.QL sich vernetzte.


Ihr Herzensprojekt - der Kunstkiosk 422


Den Kiosk an der Hünxer Straße 422 machte Britta L.QL für das Jahr der Kulturhauptstadt RUHR.2010 zu einem viel beachteten und beliebten Ort für Kunstaktionen und Begegnungen. Mit Unterstützung von Thomas Pieperhoff, damals Dinslakens städtischer Kulturhauptstadt-Beauftragter, der Kulturhauptstadt und vielen Dinslakener Kulturschaffenden und Interessierten ließ sich dieses vielschichtige Projekt umsetzen. „Als das Projekt 2013 zu Ende ging, fiel auch ein Treffpunkt für Künstlerinnen und Künstler weg“, bedauert Britta L.QL. Der Kiosk war eine Herzensangelegenheit für sie, erforderte aber auch andauernden Einsatz. Das Projekt hat auf jeden Fall gezeigt, dass für anspruchs- und fantasievolle Kunstaktionen auch Raum in der kleinsten Hütte ist.


„An meiner künstlerischen Arbeit ist mir neben dem Spaß an der Sache auch die soziokulturelle Ausrichtung wichtig“, erklärt Britta L.QL. „Ich betrachte Kunst und Grafik als meine Kommunikationsmittel, als eine Möglichkeit, Gegebenheiten anders beleuchten zu können und somit neue Blickwinkel zu eröffnen.“ Der Austausch und die fruchtbare Zusammenarbeit mit den Künstler*innen im K.QL bedeuten ihr viel. „Wir sind eine gute Gruppe und können uns aufeinander verlassen. Ich finde es super, gemeinsam so viel auf die Beine stellen zu können.“ Ob ZechenSession oder Paste Up-Aktion an der Zechenmauer, Britta L.QL ist immer mittendrin, wenn im Kreativ.Quartier eine künstlerische Aktion ansteht. Sie plant, organisiert, entwirft und setzt sich beharrlich ein.


Neue Themen und andere Blickwinkel


Ihr gesellschaftspolitisches Engagement und ihre künstlerische Vielfalt konnte die Dinslakenerin unter anderem 2003 bis 2008 bei mehreren Ausstellungskonzeptionen für das NS-Dokumentationszentrum Köln einbringen. „Eine Supersache. Ausstellungsdesign hatte ich vorher noch nicht gemacht. Die Erfahrung, dass ich auch in zunächst fremden Bereichen etwas Gutes zustande bringen kann, war wichtig für meine weitere Entwicklung.“
Immer wieder etwas neue Themen anzupacken, Ereignisse aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, zu erforschen, welche gesellschaftlichen Strömungen sich mit künstlerischen Mitteln durchdringen und ausdrücken lassen – das ist Britta L.QL.s Stärke. Mit ihrer ruhigen und reflektieren Art fällt es ihr leicht, andere Menschen für ihre Vorhaben zu begeistern. Auch ihre Freizeit widmet sie der Kultur, besucht Ausstellungen und Konzerte. Den körperlichen Ausgleich und den klaren Kopf für neue Einfälle verschaffen ihr Sport und Rennradfahren.


Gudrun Heyder

 


Britta L.QL
britta@l-ql.de

Atelier Dinslaken:
Kreativ.Quartier Lohberg
Hünxer Straße 372
46537 Dinslaken
Atelier Köln:
Glasstr. 80
50823 Köln

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