29.01.2020

Dr. Heidinger: Den Blick öffnen für Lohbergs große Stärken

Bürgermeister Dr. Michael Heidinger (r.), Referent Thomas Pieperhoff und kql.de-Redakteurin Gudrun Heyder beim Gespräch im Rathaus.

Im Gespräch mit kql.de über das neue Integrierte Handlungskonzept (InHK) für Lohberg ermuntert der Bürgermeister zu mehr Selbstbewusstsein im Stadtteil, der viele Glanzlichter habe: CO²-Neutralität, das KQL und kulturelle Attraktionen, zukünftig wichtiger Bildungsstandort und die Europazentrale eines Unternehmens.   

 

Das InHK für Lohberg hat der Stadtrat im Dezember 2019 einstimmig verabschiedet, nun geht es an die Umsetzung, die sich über etwa sechs Jahre erstrecken wird. Bürgermeister Dr. Michael Heidinger sieht riesige Chancen in dem Stadtteil und viele positive Entwicklungen. Aber auch bestehende Probleme seien nicht zu leugnen. Welche Bedeutung das InHK für Lohberg hat und Lohberg wiederum für ganz Dinslaken, erläutert der überzeugte Lohberger Bürger im Gespräch mit kql.de-Redakteurin Gudrun Heyder.

 

Ein abgehängter Stadtteil, wie manche hier Ansässigen laut InHK beklagen? Von diesem Stereotyp hält der Bürgermeister gar nichts. Der 57-Jährige lebt seit zehn Jahren in Lohberg. „Ich fühle mich hier pudelwohl. Wenn ich durch Lohberg gehe, habe ich das schöne Gefühl, dass wir alle Nachbarn sind. Die Grundstimmung ist gut.“

 

Die Zukunft jedes Menschen ist wichtig

 

15 Jahre nach der Zechenschließung sei Lohberg auf einem sehr guten Weg in die Zukunft. Den Blick ausschließlich auf noch vorhandene Defizite zu richten, sei falsch. „Wir haben noch Probleme mit dem Zusammenhalt, bei der Integration und mit mangelnden Sprachkenntnissen, daran arbeiten wir“, erklärt Dr. Heidinger. Mehr Jugendlichen müsse der Zugang zu höheren Schulabschlüssen und Ausbildungsplätzen ermöglicht werden.

 

„Es geht uns nicht nur um die Zukunft des Stadtteils, sondern um die Zukunft jedes hier lebenden Menschen.“ Wie es das InHK empfiehlt, sollen vorhandene Unterstützungs-Angebote im Stadtteil besser koordiniert und bekannt gemacht werden.

Aber Lohberg könne sich insgesamt unbedingt sehen lassen, sei in manchen Bereichen vorbildlich und habe auch überregionale Anziehungskraft. „Die Lohberger selbst und die Menschen in den anderen Stadtteilen müssen ihren Blick dafür öffnen, was es hier alles (Gutes) gibt“, mahnt das Stadtoberhaupt eindringlich.  

 

Bildungsstandort Lohberg mit viel Potential

 

„Das Integrierte Handlungskonzept ist die Grundlage für die strategische Entwicklung Lohbergs und die finanzielle Unterstützung durch Förderprogramme“, erklärt der Bürgermeister. Vordringlich, um Lohberg weiter nach vorne zu bringen, sind für ihn Bildungsmaßnahmen. „Wir müssen deutlich machen, dass Lohberg sich zu einem Bildungsstandort entwickeln wird. Der geplante Pflegecampus der Caritas wird Strahlkraft für ganz Dinslaken und darüber hinaus entfalten. Unsere Krankenhäuser brauchen dringend Personal, und das werden sie zukünftig aus Lohberg bekommen.“

 

Dass nach der Eröffnung der Pflegeschule viele junge Leute am ehemaligen Zechenstandort ihre Ausbildung durchlaufen werden, freut Dr. Heidinger besonders: „Wo Menschen sind, entsteht Dynamik. Das kann positive Entwicklungen befördern, die wir heute noch gar nicht absehen können.“    

Auch die neue KiTa direkt nebenan sei enorm wichtig, nicht nur um das Thema Bildung im Stadtteil zu betonen.

Die Einrichtung sei vielmehr ein weiterer Garant für die Entwicklung von Lebendigkeit auf dem ehemaligen Zechengelände. Und: „Durch Kooperationen etwa mit der Hochschule Ruhr-West kann Lohberg zudem zum Hochschulstandort werden.“ Eine eigene Hochschule werde es aber wohl nicht geben.  

 

Deutschlands größtes CO²-neutrales Quartier

 

Gerade beim Thema Energie – in Zeiten des rasanten Klimawandels ein ganz grundlegender Aspekt – habe Lohberg eine Vorbildfunktion und gibt Impulse für ganz Dinslaken, betont Dr. Heidinger. „Durch den Mix regenerativer Energien ist Lohberg bereits seit längerem CO2-neutral. Bis 2022 wird die gesamte Stadt dank des neuen Holzenergiezentrums folgen.“

 

Belebung durch Tourismus und IGA 2027

 

„Dinslaken verbindet als grünes Tor das Beste des Ruhrgebiets und des Niederrheins, das ist entscheidend für die Identität“, ist der Bürgermeister überzeugt. Wenn die Halde Lohberg Nord für den Tourismus erschlossen sein wird, könne die Stadt im Zusammenhang mit den geplanten Ausstellungsflächen an der Emschermündung auch bei der Internationalen Gartenausstellung punkten. „Der Ausbau der Zechenbahntrasse zum Radweg als Verbindung Lohbergs mit dem Emscher-Weg ist ein wichtiger Baustein für das Erleben dieser Räume“, so Heidinger. „Diese Projekte kann jedoch nur der RVR stemmen.“

 

Neues Wohnen und Gewerbe mit Europazentrale

 

Pluspunkte für Lohberg sind des Weiteren die historische und die neu entstandene Gartenstadt. „Vivawest investierte zehn Millionen Euro in Lohberg. Das macht man nur in einem Stadtteil, der Zukunft hat“, versichert Michael Heidinger. „Die Gartenstadt hat Vorzeigecharakter. Und im Gewerbegebiet hat sich sogar die Europazentrale von standby niedergelassen!“ Auch das „Zentrum der Sicherheit“ in Dinslaken, nämlich die Feuerwache, habe nicht zufällig hier ihren Standort. Für die Gastronomie sei unter anderem das neue Restaurant ZeLoH ein Gewinn für Lohberg.

 

Überregionale kulturelle Attraktionen

 

„Die Extraschicht, die Ruhrtriennale und große Veranstaltungen in der Zechenwerkstatt bringen Besucher aus ganz Dinslaken und von weiter her nach Lohberg“, zählt der Bürgermeister auf. Die enorme Anziehungskraft des vom Scholtenhof in die Zechenwerkstatt umgezogenen Weihnachtsmarkts sei ein tolles Beispiel dafür, dass Gäste gerne nach Lohberg kommen. Auch eigens für die Bewohner*innen gebe es sehr attraktive Angebote. „Was die Blaue Bude auf ihren wenigen Quadratmetern möglich macht, ist großartig. Auch die Galerie 399 und das Atelier freiart setzen kulturelle Impulse.“ Das Ledigenheim biete Veranstaltungen von hoher Qualität und sei ein wichtiger Anlaufpunkt im Stadtteil. Ein weiterer Veranstaltungshöhepunkt, der Lohberg bevorsteht, ist der NRW-weite Knappentag als Beitrag zum großen Stadtjubiläum 2023. 

 

Hartnäckig und zuversichtlich bleiben

 

Michael Heidinger hat die Strategie für Lohbergs Zukunft klar vor Augen: „Stadtentwicklung braucht Zeit und Geduld. Unsere politische Verantwortung gebietet uns, Generationen übergreifend zu denken und planen. Wir sind hartnäckig und lassen uns von Rückschlägen nicht aufhalten. Unser Ziel bleibt, das Identitätsgefühl in Lohberg zu festigen. Die vor uns liegenden Aufgaben gehen wir mit großem Selbstbewusstsein an.“

 

Jeder Stadtteil habe seine Stärken und Lohberg könne auf seine Glanzlichter ebenso stolz sein wie auf seine Geschichte. „Wir haben ein Gesamtkonzept dafür, wohin sich die Stadt entwickeln soll, das ist wichtig.“ Die Zukunft der Stadtteile sei nicht einzeln zu planen, sondern vernetzt. Daraus, dass Lohberg dem Lohberger Michael Heidinger dabei besonders am Herzen liegt, macht er kein Geheimnis. „Ich identifiziere mich zu 100 Prozent mit dem Stadtteil.“

 

Text: Gudrun Heyder

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